Obsidian – mein Second Brain für Entwicklung und Alltag
Wie ich mit einer lokalen Markdown-App Projekte, Ideen und Wissen organisiere – ohne Cloud-Zwang, ohne Vendor-Lock-in, und mit einer Struktur, die wirklich zu mir passt.
Warum überhaupt Obsidian?
Ich habe viele Notiz-Apps ausprobiert. Notion, Evernote, Bear, Apple Notes – alles hatte seine Momente, aber irgendwas hat immer gestört: zu viel Abo, zu viel Cloud, zu abhängig vom Wohlwollen eines Unternehmens. Oder die App war einfach zu langsam.
Obsidian hat mich überzeugt, weil das Grundprinzip so simpel ist: Es öffnet einen Ordner auf deiner Festplatte und zeigt dir Markdown-Dateien an. Die Notizen gehören mir – und ich kann sie mit jedem Texteditor öffnen, wenn ich wollte.
Wenn ein Tool morgen verschwindet, sollten deine Daten trotzdem noch da sein – und benutzbar.
Mein Vault liegt in iCloud. Das bedeutet: auf dem Mac, auf dem iPhone, überall verfügbar – ohne dass Obsidian selbst irgendetwas in der Cloud speichert. Die Sync-Schicht ist austauschbar.
Das Grundprinzip: Vault und Markdown
Ein Vault ist in Obsidian einfach ein Ordner. Ich habe einen Vault namens second-brain, der auf meinem Mac liegt und über iCloud synchronisiert wird. Alles darin sind .md-Dateien – normales Markdown.
[[Notizname]] verlinkst du Notizen miteinander. Backlinks entstehen automatisch.Meine Vault-Struktur
Ich orientiere mich grob am PARA-System (Projects, Areas, Resources, Archive), habe es aber an meine Arbeitsweise angepasst. Die Ordner sind bewusst flach gehalten – zu viele Unterebenen führen bei mir dazu, dass Dinge verschwinden.
Die Inbox ist das Wichtigste. Wenn eine Idee kommt, ein Link, eine Notiz – alles landet erst einmal dort. Einmal pro Woche sortiere ich durch. Das nimmt den Druck, sofort alles perfekt einzuordnen.
Die Inbox ist kein Chaos – sie ist ein Puffer. Solange du regelmäßig durchgehst, bleibt alles überschaubar. Das Ziel ist nicht eine leere Inbox, sondern eine verarbeitete.
Markdown-Formatierung in der Praxis
Ich schreibe alle Notizen in Markdown. Ein paar Grundregeln reichen für 90 % der Anwendungsfälle.
Struktur
markdown# Hauptüberschrift
## Abschnitt
### Unterabschnitt
**fett** · *kursiv* · ~~durchgestrichen~~
- Aufzählung
- Verschachtelt
> Blockzitat für wichtige AussagenFrontmatter / Properties
yaml---
tags: [n8n, automation, workflow]
erstellt: 2026-03-15
status: aktiv
projekt: Lead-Finder
---Ich nutze Tags sparsam. Lieber wenige, konsistente Tags als hundert, die ich nach drei Monaten nicht mehr verstehe.
Verknüpfungen – das Herzstück
Mit [[Notizname]]verknüpfe ich Notizen miteinander. Obsidian zeigt mir automatisch, welche anderen Notizen auf diese verweisen – sogenannte Backlinks. Das klingt abstrakt, ist aber in der Praxis sehr nützlich: Ich schreibe eine Notiz über einen n8n-Workflow und verlinke darin auf das Projekt. Wenn ich später die Projekt-Notiz öffne, sehe ich alle zugehörigen Workflows in der Sidebar.
## Workflow: Lead-Finder v2
Gehört zu [[Druckerei/Kundenakquise 2026]].
Nutzt [[Ressourcen/lobid.org API]].
Ergebnis → [[03 Ressourcen/Google Sheets Setup]].Verlinke lieber zu viel als zu wenig. Backlinks kosten nichts, und ein dichtes Wissensnetz entsteht von selbst – über Monate.
Plugins, die ich wirklich nutze
- TemplaterMächtiger als das eingebaute Template-System. Für Projektnotizen, Daily Notes und Workflow-Dokumentationen mit automatischen Datums-Einfügungen.
- DataviewAbfragen über den Vault wie eine Datenbank. Ich nutze es für automatische To-do-Listen und aktive Projekte nach Status.
- CalendarKalenderansicht für Daily Notes. Täglich eine kurze Notiz: was gemacht, was offen, was aufgefallen.
- Quick AddSchnelles Hinzufügen über die Command Palette – ohne die aktuelle Notiz verlassen zu müssen. Ideal für die Inbox.
- LinterBereinigt automatisch Frontmatter und Formatierung beim Speichern. Spart viel manuelle Arbeit.
Obsidian und n8n – wie beides zusammenspielt
Ein großer Teil meiner Arbeit dreht sich um n8n-Workflows. Obsidian ist dabei mein Gedächtnis: Jeder Workflow bekommt eine eigene Notiz mit Kontext, Entscheidungen, Bugs und Lösungen.
Abgeschlossene Plans aus Claude Code wandern nach Obsidian – außerhalb des aktiven Projektkontexts, aber noch als Referenz verfügbar. Aktive Specs bleiben im Projektordner.
Die Gewohnheit: wie ich Obsidian täglich nutze
Morgens öffnet sich mein Dashboard automatisch. Dort sehe ich offene Punkte aus den letzten Daily Notes (via Dataview), aktive Projekte und Inbox-Notizen. Das dauert zwei Minuten und gibt mir Orientierung.
Ideen und Gedanken tippe ich auf dem iPhone direkt in Obsidian Mobile. Die Inbox ist mein erster Ansprechpartner, nicht eine separate App.
Ein System ist nur so gut, wie man es tatsächlich benutzt. Weniger Perfektion, mehr Konsistenz.
Fazit
Obsidian ist nicht die schönste App. Sie hat eine Lernkurve. Aber nach einigen Monaten würde ich sie nicht mehr missen wollen – weil sie meinen Gedanken eine Struktur gibt, die zu mir passt, nicht umgekehrt.
Meine Notizen sind portabel, durchsuchbar, vernetzt. Wenn ich in drei Jahren eine andere App nutze, sind alle Daten in lesbaren Markdown-Dateien – keine Migration nötig. Wenn du anfangen willst: Lade Obsidian herunter, erstelle einen Vault-Ordner, fang mit einer leeren Inbox-Notiz an. Die Struktur wächst mit der Zeit.