Mein Garten – grünes Chaos mit System
Von der Banane bis zur Esskastanie, vom Gewächshaus bis zum Balkonkasten – wie ich auf möglichst vielen Quadratmetern möglichst viel anbaue, selbst Samen ernte und dabei die Leidenschaft für alles Grüne lebe.
Gärtnern ist keine Freizeitbeschäftigung
Es gibt Menschen, die haben einen Garten. Und es gibt Menschen, die leben Garten. Ich gehöre zur zweiten Gruppe. Was bei anderen vielleicht mit einem Hochbeet und ein paar Tomatenpflanzen anfängt, hat sich bei mir über die Jahre zu einem kleinen grünen Universum entwickelt – mit Gewächshaus, Hochbeeten, Balkonkästen, Kübeln, Hängeampeln und einem Freilandbeet, das kaum noch weiß wo es aufhört.
Das Schöne daran: Es hört tatsächlich nie auf. Immer wächst etwas, wartet etwas, überrascht etwas. Der Garten ist das Gegenstück zu allem Digitalen – er läuft nicht auf einem Server, braucht keine API und macht keine Updates. Er braucht Wasser, Erde, Zeit und Aufmerksamkeit.
Der Garten gibt zurück, was man hineinsteckt – aber auf seine eigene Art und in seinem eigenen Tempo.
Wo alles wächst
Mein Garten ist kein einzelner Ort, sondern eine Sammlung von Orten. Jeder hat seine eigene Logik, sein eigenes Klima, seine eigenen Bewohner.
Was gerade wächst – April / Mai 2026
Der Garten im Frühling ist ein Aufbruch. Alles kommt gleichzeitig, es gibt immer mehr zu tun als Zeit vorhanden ist, und trotzdem ist es die schönste Zeit des Jahres. Hier ein Überblick über das, was gerade bei mir wächst, blüht und gedeiht:
Meine Lieblinge
Wenn ich ehrlich bin, hat der Garten Bewohner die mir mehr bedeuten als andere. Nicht weil die anderen weniger wichtig wären – sondern weil manche Pflanzen eine Geschichte haben.
Es gibt Pflanzen, die man pflegt – und Pflanzen, die man liebt. Mein Schmetterlingsflieder-Stämmchen gehört zur zweiten Kategorie. Er zieht jeden Sommer Schmetterlinge an wie ein Magnet, blüht unermüdlich und hat eine Form bekommen, die kein Katalog und kein Gartencenter so verkauft. Er ist gewachsen wie er wollte – und ich habe ihm dabei geholfen.
Südpflanzen in Mittelhessen – das klingt gewagt, ist es auch. Meine Zitrone und der Kumquat verbringen den Sommer draußen und den Winter drinnen. Sie brauchen Aufmerksamkeit, den richtigen Standort, das richtige Gießverhalten. Aber wenn die Blüten aufgehen und der Duft sich ausbreitet, ist jede Mühe vergessen.
Selbst ziehen – vom Samen zur Pflanze
Eine der befriedigendsten Seiten des Gärtnerns ist die Anzucht. Nicht einfach fertige Pflanzen kaufen – sondern den ganzen Weg mitgehen: Samen ernten, lagern, im Winter auf der Fensterbank vorziehen, pikieren, abhärten, einpflanzen.
Ich ziehe im Winter selbst vor: Petunien, Tomaten, Paprika, Peperoni, Gurken, Wassermelone und Kürbis. Das spart nicht nur Geld – es bedeutet auch, dass ich genau weiß was in den Pflanzen steckt. Keine unbekannten Behandlungsmittel, keine Massenware.
- Petunien vorziehen (Januar/Februar)
- Tomaten säen (Februar)
- Paprika & Peperoni säen (Januar)
- Gurken & Kürbis (März)
- Wassermelone (Februar/März)
- Samen aus dem Vorjahr ernten & lagern
- Salat & Kohlrabi ins Hochbeet
- Möhren, Zwiebeln, Lauch säen
- Tomaten ins Gewächshaus
- Zitrus nach draußen
- Kürbis & Melone ins Hochbeet
- Balkonkästen & Ampeln bepflanzen
Wer Samen selbst erntet, schließt einen Kreislauf. Ich sammle Samen von Tomaten, Paprika, Kürbis und vielem mehr – trockne sie sorgfältig und lagere sie kühl und dunkel. Im nächsten Jahr wachsen daraus wieder Pflanzen, die ich kenne. Das ist Gärtnern in seiner ursprünglichsten Form.
Das leidige Thema Gießen
Ehrlichkeit ist wichtig: Gießen ist das Nervigste am Gärtnern. Nicht weil es schwer wäre – sondern weil es täglich anfällt, Zeit kostet und im Urlaub zum Problem wird. Bei der Menge an Pflanzen die ich habe, ist es schlicht nicht möglich, alles von Hand zu bewässern ohne dafür Stunden einzuplanen.
Die Lösung: Solarbewässerung. Ich habe mittlerweile an mehreren Stellen im Garten solargetriebene Bewässerungssysteme installiert – Hochbeete, Kübel, Gewächshaus. Das System läuft autark, braucht keinen Stromanschluss und bewässert zuverlässig auch wenn ich nicht da bin.
Solarbewässerung ersetzt nicht den Blick auf die Erde und das Gefühl dafür, ob eine Pflanze wirklich Wasser braucht. Aber sie nimmt den Druck heraus – besonders in Hitzephasen oder im Urlaub. Für mich ist sie unverzichtbar geworden.
Fazit – warum Garten?
Jemand der mich kennt, würde vielleicht fragen: Technologie, Automatisierung, KI – und dann auch noch Garten? Passt das zusammen?
Für mich ist es die perfekte Ergänzung. Alles Digitale passiert im Kopf, auf dem Bildschirm, in abstrakten Strukturen. Der Garten ist das Gegenteil: konkret, langsam, unverhersehbar. Man kann keinen Workflow optimieren der den Frost entscheidet. Man kann keine KI beauftragen die Schnecken zu entfernen. Man muss selbst hin, selbst anfassen, selbst beobachten.
Das Grün in meinem Logo steht für genau das. Es ist kein Zufall, dass die Farbe meiner Leidenschaft für den Garten dieselbe ist wie die Farbe die Ruhe, Wachstum und Ursprung bedeutet. Beides gehört zusammen – und macht mich als ganzen Menschen aus.
Im Garten lernt man Geduld. Nicht weil man es will – sondern weil man keine Wahl hat.