Web & Design

Wie ich meine Farbpalette entwickelt habe

Rot, Grün und das Braun das entsteht, wenn beides zusammenkommt – hinter meiner Website-Palette steckt mehr als Geschmack. Eine Geschichte über Logos, Bedeutung und den Weg von der Idee zum konsistenten CSS-System.

Mai 2026 · ~7 Min. Lesezeit · Farbe · CSS · Webdesign

Am Anfang war das Logo

Die meisten Website-Farben entstehen, indem man ein bisschen herumprobiert, irgendeinen Farbgenerator öffnet und sich dann für etwas entscheidet das „irgendwie passt". So war es bei mir lange auch.

Bei dieser Seite wollte ich es anders machen. Ich habe zuerst ein Logo entworfen – in Illustrator, mit klarer Absicht – und erst aus dem Logo die Farben abgeleitet. Nicht umgekehrt.

Das klingt nach einer kleinen Unterscheidung. Aber sie verändert alles: Wenn die Farben eine Geschichte haben, eine Bedeutung, einen Ursprung – dann sind sie keine willkürliche Entscheidung mehr. Dann verteidigt man sie, wenn jemand fragt. Dann weicht man nicht ab, wenn man unsicher ist.

Farben ohne Bedeutung sind austauschbar. Farben mit Geschichte bleiben.

Drei Farben, drei Bedeutungen

Mein Logo hat drei Ausgangspunkte – und jeder steht für etwas Konkretes in meinem Leben und meiner Arbeit.

Rot
#c0392b · Ausgangspunkt
Steht für n8n – das Tool, mit dem ich automatisiere und das einen großen Teil meiner technischen Arbeit prägt.
Grün
#3d6b4f · Herzensthema
Steht für die Liebe zum Garten – zu Wachstum, Natur und allem was lebt. Eine Konstante in meinem Leben neben aller Technik.
Braun
#7c5c3a · Verbindung
Entsteht, wenn Rot und Grün zusammenkommen – Erde, Ursprung allen Lebens, der feste Boden auf dem alles aufbaut. Die Verbindung zwischen Technik und Natur.

Das Braun ist dabei das Klügste an der ganzen Palette. Es ist nicht einfach eine dritte Farbe – es ist die Synthese der beiden anderen. Wer das Logo sieht und die Geschichte kennt, versteht sofort: hier gehört etwas zusammen, das auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen scheint. Technik und Garten. n8n und Natur. Und dazwischen: Erde.

Designgedanke

Eine gute Farbpalette braucht keine sieben Farben. Sie braucht einen Anker, einen Kontrast und eine Verbindung. Drei Farben mit klarer Bedeutung schlagen zwanzig zufällige.

Die fertige Palette

Aus den drei Ursprungsfarben entstand durch Adobe Color und viel Ausprobieren ein vollständiges System – mit Nuancen für genug Kontrast auf der Seite, ohne die Grundstimmung zu verlassen.

Dunkelbraun #5a3e22
Braun #7c5c3a
Cremeweiß #F7F5F0
Linie #ddd8d0
Grau-warm #9a958f
Dunkelgrau #5a5650
Olivgrau #86917c
Grün #3d6b4f
Hellgrün #dceade

Keine dieser Farben ist zufällig. Die Grau-Nuancen mit ihrem warmen Unterton halten die Neutraltöne im gleichen Farbklima wie Braun und Grün – ein kühles Grau würde die Palette sofort auseinanderreißen. Das Cremeweiß als Hintergrund ist wärmer als reines Weiß, was den Seiten eine angenehmere Atmosphäre gibt.

Das CSS-System dahinter

Eine schöne Palette nützt nichts, wenn man die Farben später überall einzeln einträgt. Das führt zu Inkonsistenzen, zu Tippfehlern, und zu einer Stunde Arbeit wenn man später einen Ton anpassen will.

Die Lösung sind CSS-Variablen – einmal definiert im Root-Element, überall verwendbar. Ich vergebe dabei keine technischen Namen wie color-1, sondern semantische: was macht diese Farbe, wo wird sie eingesetzt?

:root {
  /* Hauptfarben */
  --accent:        #7c5c3a;  /* Braun – Akzent, Links, Highlights */
  --accent-dark:   #5a3e22;  /* Dunkelbraun – Überschriften */
  --accent-light:  #F7F5F0;  /* Cremeweiß – Hintergründe, Badges */
  --green:        #3d6b4f;  /* Grün – Tipp-Boxen, Erfolg */
  --green-light:   #dceade;  /* Hellgrün – Hintergrund Tipp-Boxen */

  /* Neutrale Töne */
  --ink:           #86917c;  /* Olivgrau – Fließtext */
  --muted:        #5a5650;  /* Dunkelgrau – Sekundärtext */
  --faint:        #9a958f;  /* Grau-warm – Meta, Labels */
  --rule:         #ddd8d0;  /* Linien, Borders */
  --paper-warm:   #F7F5F0;  /* Seitenhintergrund */
}
Semantische Namen

Nie --farbe-braun – immer --accent. Der Name beschreibt die Rolle, nicht den Farbton. Wenn du die Palette irgendwann änderst, tauschst du nur die Werte – der Rest der Website folgt automatisch.

Der Weg dorthin – Tools und Prozess

Früher war das Entwickeln einer Farbpalette eine stunden- manchmal tagelange Angelegenheit. Man probierte in Photoshop, exportierte, schaute im Browser nach, stellte fest dass es doch nicht stimmt, fing von vorne an.

Heute ist der Prozess kürzer – aber nicht weniger durchdacht. Die Werkzeuge haben sich verändert, die Fragen sind dieselben geblieben.

1
Adobe Illustrator
Logo entwerfen, Ausgangsfarben festlegen
Das Logo ist der Ursprung. Hier entscheiden sich die Grundfarben – nicht als Palette, sondern als Bedeutungsträger. Was soll das Logo aussagen? Welche Farben passen dazu inhaltlich?
2
Adobe Color
Harmonische Erweiterung der Palette
Adobe Color zeigt, welche Farbtöne harmonisch zusammenpassen – analog, komplementär, triadisch. Ich gebe die Ausgangsfarbe ein und teste verschiedene Regeln durch, bis die Nuancen stimmen.
3
KI / Mockup
Palette auf Mockups testen
Was früher aufwendige Photoshop-Arbeit war, geht heute schnell: ich lasse mir von der KI Mockups mehrerer Unterseiten generieren, mit der Palette eingefärbt. So sehe ich sofort ob die Farben auch in der Anwendung funktionieren – nicht nur als Farbfeld.
4
CSS / Divi
Als CSS-Variablen ins System überführen
Sobald die Palette steht, wandert sie in CSS-Variablen. In Divi trage ich die Hauptfarben zusätzlich als globale Theme-Farben ein – so stehen sie im Builder per Klick zur Verfügung.
Was sich verändert hat

Früher hat man eine Palette entwickelt, sie in Photoshop angewendet und gehofft dass es im Browser auch so aussieht. Heute kann man mit KI in Minuten testen wie eine Farbe auf verschiedenen Unterseiten wirkt – auf Karten, in Navigationen, als Hintergrund. Das spart nicht nur Zeit, es führt zu besseren Entscheidungen.

Was ich beim Umgang mit Farbe gelernt habe

Nach Jahren mit wechselnden Projekten und Paletten haben sich ein paar Prinzipien herauskristallisiert, die ich immer wieder anwende:

Weniger ist mehr – aber nicht zu wenig
Drei bis vier Hauptfarben reichen. Mehr wird unruhig, weniger wird eintönig. Was man braucht sind Abstufungen dieser Farben – Hell, Mittel, Dunkel – nicht neue Töne.
Neutrale Töne müssen zum Farbklima passen
Das ist der häufigste Fehler: warme Akzentfarben mit kühlen Grautönen kombinieren. Das reißt die Palette auseinander. Meine Grau-Nuancen haben alle einen warmen, leicht bräunlichen Unterton.
Kontrast ist keine Option – er ist Pflicht
Heller Text auf hellem Hintergrund sieht auf dem eigenen Bildschirm vielleicht noch aus – auf anderen Geräten, im Sonnenlicht, für Menschen mit Sehschwäche nicht. Ich teste Kontrastverhältnisse immer mit einem Tool.
Farbe braucht Bedeutung, nicht nur Schönheit
Grün für Tipps und Erfolg, Braun für Akzente und Links, Cremeweiß für Ruheflächen – wenn jede Farbe eine Rolle hat, entsteht ein System. Das macht Entscheidungen später leichter.

Fazit

Meine Farbpalette ist keine Design-Entscheidung – sie ist eine persönliche Aussage. Rot für die Technik, Grün für die Natur, Braun für das was entsteht wenn beides zusammenkommt. Wer meine Seite sieht, sieht nicht nur Farben. Er sieht einen kleinen Teil davon, wer ich bin.

Das klingt vielleicht pathetisch. Aber ich glaube, dass gutes Webdesign genau das leisten kann – und sollte. Nicht als Selbstzweck, sondern weil Dinge mit Geschichte beständiger sind als Dinge ohne.

Die beste Farbpalette ist die, die man nicht erklären muss – und die man trotzdem erklären kann, wenn jemand fragt.